Der Astronom Giambattista Riccioli kartographierte 1651 den Mond. Er war überzeugt, dass die von der Erde aus sichtbaren dunklen Flecken Meere seien. Auch auf der erst viel später kartographierten erdabgewandten Seite des Mondes wurden die dunkel gefärbten Lavaebenen „Mare“ benannt.

Für die Arbeit Nach R­iccioli: 23 Meere wurden den sehr poetischen, lateinischen Namen der Mare auf dem Mond fotografische Bilder zugeschrieben. Bei den Fotografien handelt es sich um inszenierte Landschaften, die mithilfe alltäglicher Gegenstände (Bett, Laken, Schreibtischlampe) im Schlafzimmer realisiert wurden. Die Arbeit besteht aus drei Abschnitten, die auf formal unterschiedliche Weise mit den 23 Bildern spielen.

Bei der klassischen Präsentation der Fotografien (C-Prints, 30 × 40 cm, 2015) liegt die Konzentration auf der Inszenierung des jeweiligen Mare. Die Poster (Offset Print, Dopppelseitig, 80 g Bilderdruckpapier matt, 70 × 100 cm, 1000 Stück, 2016) lösen das Hermetische der einzelnen, voneinander unabhängigen Fotografien auf. Die schwarze Seite betont das Poetische Element der Arbeit; die weiße Seite spiegelt den inhaltlichen Hintergrund. Hält man das Poster jedoch gegen eine Lichtquelle, werden in der Durchsicht der geringen Grammatur des Papiers, beide Aspekte zusammen geführt. Das Blatt kann gefaltet werden und ist so dünn, dass jede falsche Bewegung eine unauslöschliche, störende Spur in der Eleganz des Konzeptes hinterlässt. In der Installation (Gekrümmte Wand, Ultrachrome Print, Kreide, Bleistift, Garn, Nägel, ungebrannter Ton, Pigment, Sockel, Museumsglas, Maße variabel, 2016) rückt der Fokus auf den Rhythmus und die Melodie der Bilder. Im Zentrum steht das Arbeitsblatt (Ultrachrome Print, 150 × 675 cm) auf dem die 23 Meere platziert sind. Jedes Bild, jedes Mare hat eine bestimmte und sehr genau gewählte Größe und steht in einem festgelegten Verhältnis zu den 22 übrigen Bildern auf dem Blatt. Die einzelnen Bilder sind mithilfe von dünnem, weißen Garn „gerahmt“ und gleichzeitig miteinander verbunden. Mithilfe der Fäden können Entfernungen gemessen werden, Kontakte hergestellt und Abgrenzungen gesteckt werden. Mit einfachsten Mitteln werden optische Täuschungen erzeugt, die die Arbeit aus der Fläche des Arbeitsblattes an der Wand in den Raum und wieder zurück ziehen. Einige der Fäden entspringen undefinierbaren Gebilden die auf dem Boden vor der Wand liegen. Es sind Abdrücke, oder Hüllen der Künstlerfaust, die in der Vorstellung geballt wurde, die Erdathmosphäre zu durchstoßen, um etwas Mondgestein oder einen Meteoriten aus der Leere des Alls zu bringen. Aus der Mitte dieser Meteoriten heraus, aus den Innenabdrücken der geballten Faust, sind die Fäden gespannt, die die Orientierung auf dem Gesamtbild leiten. Dieses Blatt wird immer wieder verändert, es können Linien hinzukommen, Bilder gelöscht und neu geklebt werden. Notizen werden vermerkt und vielleicht wird auch hin und wieder vor dieser Kulisse getanzt. Der innere Vorstellungsraum und der äußere Wahrnehmungsraum stehen in ständigem Konflikt. Es gibt kein Entweder und kein Oder –
Der Negativraum neben den Bildern ist immens wichtig. Und die Frage woher die Schwärze kommt liegt irgendwo zwischen den Hüllen und den Meteoriten beantwortet.

Nach Riccioli: 23Meere als PDF zum Download

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