Wenden

Wenden

Blütenlose Unheimlichkeit von Carina Herring

Das Unheimliche, das Ängste und Widersprüchlichkeiten fasst, steht in engem Zusammenhang mit der architektonischen Moderne unserer Städte. Gerade die Moderne hat versucht, eine Welt zu entwerfen, die für alle Menschen gleichermaßen gilt. Ausgeklammert blieben jene Momente, die nicht in dieses Funktionalismusprinzip integrierbar waren –Träume, Sehnsüchte, Ängste, der Wunsch nach Individualität und Privatheit. Ortswechsel in einen Braunschweiger Vorort mit dicht nebeneinander stehenden Siedlungshäusern der 50er Jahre. Der Vorort als fremder Ort – als beraube ihn die Vorsilbe seiner eigenen Existenz, als verorte sie ihn im Niemandsland der Grenze, die am Begrenzten haftet, eben nur vor-gestellt. NADINE DECKER beschreibt in ihrer Reihe die typologischen Ähnlichkeiten der Siedlungsarchitektur, in der sich keine spezielle Individualität erfassen lässt. Die Häuser erscheinen als Standardeinheit, Behausungsschachteln, die nur minimale Abweichungen gestatten. Sie verharren wie die unbelebten Kulissen eines unwirklichen Ortes im düsteren Bildraum. Das Dämmerlicht der Nacht bestimmt die diffuse und unheimliche Stimmung, in der sich unwillkürlich das Gefühl des Beobachtetseins aufdrängt. Sofort kippt die soziale Nähe in die Vorstellung von Kontrolle und Überwachung. Die faden Zweckfassaden verstärken den Kontrast von Innen und Außen, von geschütztem und kontrolliertem Raum. Besonders dort, wo die Architektur als Oberfläche auch in größter Durchsichtigkeit keinen Inhalt und keine ornamentbildende Blüte eines Inhalts (Ernst Bloch) zeigt.

c-Prints
60×90 cm
2003