In einem Artist Statement sollte ein Künstler schreiben, was das Ziel seiner Kunst ist, wofür man den ganzen Scheiß überhaupt macht. Ein Artist Statement geht für mich weit über die Funktion eines künstlerischen Konzeptes hinaus und sollte im Idealfall Klarheit in den Sinn und Unsinn meiner künstlerischen Tätigkeit bringen. Genau hier beginnt schon das größte Problem das ich mit einem solchen Statement habe. Es setzt voraus, dass ich wissen muss WAS ich von der Kunst will und das ich wissen muss, WOHIN meine Kunst führen soll. Bei allen Überlegungen zum was und wohin, die von purer Selbstbefriedigung bis zum Weltfrieden reichen, stoße ich schnell an die oberflächliche Tatsache der Nutzlosigkeit von Kunst. Der Hauptcharakter dieser – Tätigkeit?, Lebensform?, Gegenstände? – entpuppt sich bei tieferer Betrachtung als absolute Nutzlosigkeit. Sie, Kunst, führt einzig: Nirgendwohin. Zum Weltfrieden tauge ich höchstens als Jurist, Sozialarbeiter oder Politiker und zur Selbstbefriedigung gibt es effizientere Mittel und Wege. In meinem Artist Statement möchte ich aus diesem Grund an dem Grundcharakter der Nutzlosigkeit und dem von mir empfundenen Widerwillen ein solches zu verfassen, ansetzen. Denn was bedeutet es ein Statement zu schreiben? Es bedeutet eine grundsätzliche Meinung und Haltung festzulegen. Im Gegensatz zu einem Interview, wo notwendigerweise ein Dialog entsteht oder auch zu einem Text über eine konkrete Arbeit/Werkgruppe (wo auch eine Art Gegenüber existiert) bin ich in einem Statement mit mir vollkommen allein und präsentiere einem möglichen Leser eine „Wahrheit“ über meine Kunst. Damit lege ich mich, meine künstlerische Position auch für die kommende Zeit fest und muss mich selbst offiziell revidieren um das einmal geschriebene wieder in Bewegung zu bringen. Stärker noch als ein Bild hat etwas geschriebenes, vor allem wenn es die Überschrift „Statement“ trägt, immer etwas Endgültiges und Kündendes. Es ist genau diese Endgültigkeit die mich so sehr stört. Denn etwas das endgültig ist, scheint seine Nutzlosigkeit aufgeben zu wollen und nimmt im Falle des geschriebenen Statements, auch dem beschriebenen etwas davon. Ich befürchte, dass ein Artist Statement über meine eigene künstlerische Arbeit, mir die Freiheit der Nutzlosigkeit der Kunst einengt. Das bedeutet nicht, dass ich grundsätzlich nicht über meine künstlerischen Arbeiten sprechen möchte. Noch weniger bedeutet es, dass ich nicht an den Sinn der Kunst an sich glaube. Es bedeutet vielmehr, dass ich eine gewisse Naivität der Sprache meinen künstlerischen Arbeiten gegenüber, nicht mit allgemeinen Worten über das künstlerische Arbeiten festschreiben will. Also wäre für mich der einzig gültige Weg ein Artist Statement zu verfassen, in dem sich eine Aussage an mindestens einer anderen aufheben ließe und damit der gesamte Text in Mehrdeutigkeit zerfallen würde. Aber dann verliert die Bedeutung eines Statements an Bedeutung. Denn wozu führt es, wenn man etwas aussagt ohne etwas auszusagen. Das wäre Nutzlos, oder.


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