ohne Titel (seascapes)

Bild 1
156 × 216cm | Ultrachrome Print, gerahmt | 2014
Bild 2
156 × 211cm | Ultrachrome Print, gerahmt | 2014
Bild 3
156 × 211cm | Ultrachrome Print, gerahmt | 2014

Nadine Decker zeigt drei großformatige Foto­grafien, die alle ein ähnliches Motiv zeigen: Eine farbige Wüsten- oder Wasserfläche, darü­ber ein schwarzer, grauer oder sand­far­bener Himmel, die beides teilende Horizontlinie jeweils knapp unter der Bildmitte. Tritt man näher he­ran, um sich die Details im türkis-grünen Meer anzu­sehen, stellt man fest, dass es nur eine sehr schmale Schärfeebene gibt, wie eine dünne Linie kurz unterhalb des Horizonts. Es ist diese Linie, die die Illusion von Meer und weitem Raum zerstört. Aus den verschwommenen, sanf­­ten Wellenbewegungen des unteren Bild­teils bilden sich an dieser Stelle Strukturen, die man aus anderen Kontexten kennt: fein ge­webter Stoff, ein industriell gewebtes Tuch. So wird man als Betrachter wieder hinaus kata­pultiert aus der weiten Welt, auf die man sich gerade eingelas­sen hatte, hinein in die Enge und Privatheit eines Schlafzimmers. Was auf den Bildern zu sehen ist sind schlichte Bettlaken, so nah fotografiert, dass sie die Möglichkeit zur Transformation in sich tragen. Nadine Decker führt durch diesen im Grunde einfachen Illusions-Trick extrem ge­gen­­sätzliche, sich fast schon wider­spre­chende Orte zusammen. Und in diesem Kipp­moment, zwischen dem Ver­sprechen der roman­tischen Landschaft und dem einfachen Bett mit zer­wühltem Laken, beginnt die sichere Navi­ga­tion des Betrachters zu schwanken.
Text: Wiebke Elzel zur Ausstellung “Navigation” im Case, Projektraum für Fotografie